Carlo Reisch |
Zwischen Landschaft und Erinnerung


Meine Malerei bewegt sich im Spannungsfeld von Naturerfahrung und innerer Wahrnehmung. Die Bilder entstehen aus dem Erleben von Landschaft, lösen sich im malerischen Prozess jedoch von der Gegenständlichkeit und entwickeln eine eigene Bildwirklichkeit. Sie sind keine Abbilder konkreter Orte, sondern Verdichtungen von Licht, Atmosphäre und Erinnerung.
In vielschichtigen Farbräumen überlagern sich transparente Schichten, treten hervor und verschwinden wieder. Der Bildraum wird nicht definiert, sondern geöffnet. So entstehen Kompositionen, die den Blick nicht lenken, sondern zum Verweilen einladen. Das Bild erschließt sich allmählich – wie eine Landschaft, die sich erst im Gehen offenbart.
Meine Arbeiten stehen in der Tradition der Lyrischen Abstraktion und führen diese in eine zeitgenössische Form weiter. Spontaneität und malerische Offenheit verbinden sich mit subtilen Erinnerungen an Natur. Horizonte, Wasserflächen, Schilf oder Licht erscheinen nicht als Motive, sondern als Assoziationen, die im Betrachter eigene Bilder und Erfahrungen wachrufen.

Charakteristisch ist das Gleichgewicht zwischen kompositorischer Klarheit und malerischer Freiheit. Die Werke entfalten ihre Wirkung durch feine Übergänge, Transparenz sowie ein sensibles Verhältnis von Farbe, Licht und Raum. Ihre Ruhe ist nicht statisch, sondern von innerer Bewegung getragen.
Ich verstehe Malerei als offenen Prozess und als Raum der Wahrnehmung. Meine Bilder geben keine eindeutigen Antworten; sie eröffnen Möglichkeiten des Erlebens. In einer Zeit visueller Überreizung setzen sie auf Entschleunigung, Konzentration und Kontemplation. Ihre Kraft liegt im Unausgesprochenen – in einer poetischen Offenheit, die den Betrachter einlädt, eigene Erinnerungen und Empfindungen in das Bild hineinzutragen.
So entsteht eine eigenständige Bildsprache, in der Natur nicht dargestellt, sondern als Atmosphäre, Licht und Resonanz erfahrbar wird.
Carlo Reisch, Frankfurt am Main
